Ehrenamt Feuerwehr: Starker Einsatz braucht starken Rückhalt

    Ein Artikel von:
    Martin Dove

    16.09.2026

    MELLE. Rückblick, Ausblick und eine klare Botschaft prägten den Verbandstag des Feuerwehrverbandes Melle im Festzelt an der Thomasburg: Ehrenamt braucht Rückhalt – auch künftig mit verlässlicher Unterstützung durch Familien, Arbeitgeber, Politik und Verwaltung.

    Solch einen kernigen Aufschlag hat die alljährliche Versammlung des Feuerwehrverbandes Melle selten – ganz zur Erheiterung der Vorstandsmitglieder und Gäste: Mit Westerhagens „Willenlos“ eröffnete die Coverband Interrail die Sitzung im Festzelt. Stadtbrandmeister und Verbandsvorsitzender Michael Finke freute sich über die vielen Vertreter der Ortsfeuerwehren, Werkfeuerwehr sowie die Gäste aus Politik und von befreundeten Organisationen. In ihren Grußworten würdigten die Gäste das große ehrenamtliche Engagement der Feuerwehrangehörigen und dankten ihnen für ihre ständige Einsatzbereitschaft.

    Bürgermeisterin Jutta Dettmann betonte, dass die Feuerwehren weit mehr seien als Organisationen, die ausrücken, wenn Hilfe benötigt werde. Sie stünden für Hilfe, Verlässlichkeit und Gemeinschaft. „Ich möchte einfach Danke sagen für die Bereitschaft, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr für andere da zu sein“, sagte Dettmann. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass ein solches Engagement nur mit Unterstützung des persönlichen Umfeldes möglich sei, und schloss deshalb ausdrücklich auch die Familien und Freunde der Feuerwehrangehörigen in ihren Dank ein.

    „Um die Zukunft nicht bange“

    Auch Ortsbürgermeister Uwe Plaß dankte den Mitgliedern der Ortsfeuerwehr Altenmelle sowie allen Feuerwehrangehörigen für ihren Dienst: Unabhängig von Tageszeit und davon, wer Hilfe benötige, seien sie zur Stelle. Mit einer kleinen Anekdote blickte Plaß zugleich optimistisch auf die Zukunft der Feuerwehr Melle. Bei einem Besuch im Heimatmuseum habe er einer Gruppe erläutert, wie Brände früher unter anderem mit Löscheimern bekämpft worden seien. Daraufhin habe ein zehnjähriger Junge fachkundig eingeworfen: „Heute macht man das mit einem B-Strahlrohr.“ Wie sich anschließend herausstellte, ist der Junge Mitglied einer Jugendfeuerwehr. Für Plaß ein ermutigendes Zeichen: „Seit heute bin ich um die Zukunft der Feuerwehr Melle überhaupt nicht mehr bange.“

    Alfred Reehuis als Vertreter des Ausschusses für Ausschuss für Feuerwehr, Sicherheit, Ordnung und Verkehr ging in seinem Grußwort insbesondere auf die Herausforderungen ein, vor denen die Feuerwehren unter anderem durch zunehmende Unwetterlagen stehen. Zugleich verwies er auf aktuelle Entwicklungen innerhalb der Feuerwehr Melle, darunter die Drehleiter, das Hygienekonzept und den Neubau des Feuerwehrhauses in Bruchmühlen. Seitens des Rates der Stadt Melle bestehe die Bereitschaft, sowohl die personelle Ausstattung als auch eine zeitgemäße Ausrüstung der Feuerwehr zu unterstützen. Gute Arbeit könne nur mit entsprechenden personellen und technischen Voraussetzungen geleistet werden – in diesem Sinne habe der Rat seine Entscheidungen getroffen.

    Vertrauen und Zusammenhalt

    Kreisbrandmeister Ludger Flohre stellte ebenfalls den persönlichen Einsatz der Feuerwehrangehörigen in den Mittelpunkt. „Ihr seid da, wenn andere Hilfe brauchen, und investiert dafür Zeit – Zeit, die ihr nicht mit euren Familien verbringt. Dafür sage ich herzlichen Dank.“ Für die Zukunft warb Flohre dafür, den eingeschlagenen Weg gemeinsam fortzusetzen: mit guter Ausbildung, moderner Technik, gegenseitigem Vertrauen und einem starken Zusammenhalt.

    In seinem Bericht ging der Verbandsvorsitzende Michael Finke auf die aktuellen Herausforderungen der Freiwilligen Feuerwehren in der Stadt Melle ein. Erfreulich sei, dass die Zahl der Mitglieder in den Einsatzabteilungen stabil geblieben sei und sogar eine leicht steigende Tendenz zeige. Auch bei den Kinder- und Jugendfeuerwehren seien die Mitgliederzahlen 2025 erneut gewachsen. Dies wertete er als Beleg für die gute Arbeit der Jugendfeuerwehrwarte und Betreuer. Gleichzeitig mahnte er, dass sich die Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement zunehmend veränderten: Familie und Beruf nähmen verständlicherweise einen hohen Stellenwert ein, während zugleich Zahl und Bandbreite der Feuerwehreinsätze zunähmen. 

    Eine besondere Herausforderung stelle die Tagesalarmverfügbarkeit dar. Rund ein Viertel der Meller Feuerwehrangehörigen könne im Alarmfall den Arbeitsplatz nicht unmittelbar verlassen. Um auch künftig eine leistungsfähige Feuerwehr sicherzustellen, seien deshalb die Unterstützung der Arbeitgeber sowie gemeinsame Lösungen von Feuerwehr, Verwaltung und Politik gefragt.

    Entlastung von zunehmender Bürokratie

    Zugleich warb der Verbandsvorsitzende für mehr Wertschätzung des Ehrenamtes und eine Entlastung von zunehmender Bürokratie. Wertschätzung zeige sich dabei nicht allein in Worten, sondern auch in moderner und verlässlicher Ausstattung, geeigneten Fahrzeugen und zukunftsfähigen Feuerwehrhäusern. Dass hierzu in Melle gemeinsam mit Politik und Verwaltung tragfähige Konzepte entwickelt würden, bewertete er ausdrücklich positiv. Für die Zukunft brauche es vor allem eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt sowie gute Rahmenbedingungen für die Einsatzkräfte. 

    Seinen Dank richtete er abschließend an alle Feuerwehrfrauen und -männer, ihre Familien und Arbeitgeber sowie an die Führungskräfte und Betreuer in den Feuerwehren. Ebenso dankte er Rat und Verwaltung für die gute Zusammenarbeit und schloss seinen Bericht mit dem Jahresmotto des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen: „Feuerwehr – Stark durch Zusammenhalt“.

    Zahlreiche Beförderungen, Ehrungen sowie die Übergabe eines neuen Anhängers für Einsatzstellenhygiene waren die weiteren Highlights des Abends (gesonderte Berichte).

     

    T: Martin Dove

    F: Keano Neumann, Martin Dove