Wer für andere durchs Feuer geht, den lassen wir nicht allein

Die Feuerwehr rettet andere – und ihre Mitglieder erleben dabei mitunter Einsatzsituationen, die eine innere Betroffenheit auslösen können: mit Bildern, die nicht sofort wieder loslassen, sondern möglicherweise noch Tage im Kopf herumschwirren. Wann immer die Einsatzkräfte nach belastenden Ereignissen Gesprächsbedarf haben, steht ihnen der Fachdienst Feuerwehrseelsorge zur Seite.

Bei der Hilfe für andere müssen sich Einsatzkräfte manchmal selbst Gefahren aussetzen und erleben Not, Leid und den Tod von Menschen. Das alles kann belasten. Der Fachdienst Feuerwehrseelsorge bietet qualifizierte Unterstützung von Feuerwehrmitgliedern für Feuerwehrmitglieder. Das Angebot der Feuerwehrseelsorge in Melle gibt es bereits seit 1998.

„Es geht darum, sich nicht vom Einsatz beherrschen zu lassen, sondern den Einsatz zu beherrschen.“

Sebastian Metz-Schneidenbach, Fachwart Feuerwehrseelsorge

„Auffangen, stabilisieren, informieren – in dieser Reihenfolge“, fasst Sebastian Metz-Schneidenbach die Aufgabenschwerpunkte des Fachdienstes Feuerwehrseelsorge zusammen:

  • Ansprechpartner oder Fachberater für die Einsatzleitung während eines Ereignisses
  • Unterstützung und Stabilisierung von beteiligten Einsatzkräfte während eines Ereignisses
  • Schaffung von Gesprächsangeboten für Einzelne oder Gruppen nach einem Einsatz
  • Milderung und Normalisierung der Auswirkungen eines belastenden Ereignisses
  • Prävention durch Aufklärung über Stressreaktionen sowie belastende Einsätze und deren Folgen
  • Enttabuisieren von akuten Belastungsfolgen und sogenannten posttraumatischen Belastungsstörungen
  • Begleitung der Aus- und Fortbildung im Rahmen der Grundausbildung und der Standortausbildung

Hilfe und Beratung nach belastenden Einsätzen

Immer wieder kann es für Feuerwehrmitglieder zu Einsatzsituationen kommen, die eine innere Betroffenheit auslösen können:

  • Einsätze mit verletzten oder getöteten Menschen
  • Persönliche Bekanntschaft mit Opfern
  • Großschadenslagen oder Katastrophen
  • Lang andauernde oder schwierige Einsätze
  • Einsätze mit starkem Medieninteresse

„Wir beobachten, welche Einsätze an die Substanz gehen könnten – dann nehmen wir teilweise auch initiativ Kontakt zu den Ortsbrandmeistern auf“, sagt der Fachwart.

Nach solchen belastenden Ereignissen können verschiedene Folgen auftreten:

  • Sich aufdrängende Erinnerungen
  • Verwirrende Empfindungen
  • Verhaltensänderungen
  • Stressreaktionen
  • Körperreaktionen

Diese Belastungsfolgen stellen eine normale Reaktion auf ein unnormales Ereignis dar. Sie bilden sich in der Regel innerhalb einiger Wochen von selbst wieder zurück. In manchen Fällen kann sich jedoch eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln, die dann einer professionellen Behandlung bedarf.

Um dem entgegenzuwirken und vorzubeugen, unterstützt der Fachdienst Feuerwehrseelsorge in Form von Hilfe, Empfehlungen und Maßnahmen zur Stressverarbeitung. „Einsatzstress ist gut, solange er fördert und nicht im Weg steht: Er hält normalerweise an, bis der Einsatz beendet ist. Problematisch wird es dann, wenn er nach dem Einsatz nicht aufhört“, schildert Sebastian Metz-Schneidenbach.

Um die Belastungsfolgen abzubauen, bieten die Fachdienstmitglieder unter anderem:

  • Ein offenes Ohr
  • Informationsangebote
  • Einsatzbegleitende Angebote
  • Spontane Einzel- und Gruppengespräche
  • Geplante Kurzbesprechungen nach einem Ereignis
  • Geplante und strukturierte Nachbesprechungen einige Tage nach dem Einsatz
  • Vermittlungsangebote für weitere Hilfe nach einem belastenden Ereignis

Ein beispielhaftes Szenario beschreibt der Fachwart folgendermaßen: „Nehmen wir an, bei einem Einsatz waren 50 Kräfte. Zwei sind hinterher belastet, einer davon bewältigt das allein. Einer wendet sich an uns.“

Ehrenamtlich, vertraulich und unabhängig

Die Mitglieder des Fachdienstes Feuerwehrseelsorge der Freiwilligen Feuerwehr Melle sind ehrenamtliche Einsatzkräfte mit einer speziellen Zusatzausbildung. Sie arbeiten unabhängig von Glauben, Nationalität und Kirchenzugehörigkeit der Feuerwehrmitglieder. Alle Gespräche werden vertraulich behandelt – die Fachdienstmitglieder stehen unter Schweigepflicht. „Wir sagen nicht, mit wem oder wann wir sprechen“, betont Sebastian Metz-Schneidenbach.

Die Teilnahme an Gesprächen ist stets freiwillig. In den Gesprächen ist den Mitgliedern des Fachdienstes der Informationsaustausch besonders wichtig: „Eine Einsatzkraft, die die Straße sperrt, hat weniger Informationen als eine, die vorne steht – dann kann das Kopfkino beginnen.“ Diese Informationsdefizite auszugleichen, ist ein zentraler Aspekt beim Abbau von Belastungsfolgen. „Das hilft unheimlich, das Kopfkino zu bremsen und auf ein normales Level herunterzufahren“, ist sich der Fachwart sicher.

Kontakt: seelsorge(at)feuerwehr-melle.de

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.feuerwehrseelsorge-niedersachsen.de.

Die Freiwillige Feuerwehr Melle sucht weitere Kameradinnen und Kameraden, die sich in der Feuerwehrseelsorge engagieren wollen. Der Fachwart und sein Stellvertreter freuen sich über interessierte Mitglieder der verschiedenen Ortsfeuerwehren, die gerne per E-Mail oder persönlich Kontakt aufnehmen können.

Michael Hengehold, Nils Hoyermann



Ansprechpartner

Sebastian Metz-Schneidenbach
Fachwart Feuerwehrseelsorge

Ehrenamtl. Notfallseelsorger im ev.-luth. Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte,
Notfallsanitäter

E-Mail seelsorge(at)feuerwehr-melle.de

Frank Jäger
Stellv. Fachwart Feuerwehrseelsorge

Leiter Notfallseelsorge im ev.-luth. Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte,
Dipl.-Rel.-päd. und Diakon

E-Mail seelsorge(at)feuerwehr-melle.de

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